Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» ist am 14. Juni 2026 verworfen worden. Der Ja-Anteil von gut 45 Prozent bleibt dennoch eine politische Mahnung. Die Schweiz ist angesichts der Alterung und des Arbeitskräftemangels weiterhin auf Zuwanderung angewiesen. Zugleich sind der Druck auf Wohnraum, Verkehr und öffentliche Infrastruktur sowie die Sorgen im Zusammenhang mit Asyl, Integration und Kriminalität ernst zu nehmen.
Die Debatte wird häufig unter dem Sammelbegriff «Zuwanderung» geführt, obwohl Arbeitsmigration, Asyl, Familiennachzug und Integration unterschiedlichen Regeln und politischen Logiken folgen. Pauschale Antworten greifen deshalb zu kurz. Gefragt sind Lösungen, welche die wirtschaftliche Notwendigkeit der Zuwanderung anerkennen und zugleich ihre Folgen besser bewältigen.
Der Anlass richtet den Blick nach vorn: Wie lässt sich das inländische Arbeitskräftepotenzial besser nutzen? Kann die Zuwanderung gezielter auf Qualifikationen und den tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden? Welche Rolle spielen Anreize, Abgaben oder eine stärkere Verantwortung des öffentlichen und staatsnahen Sektors? Und wie lassen sich solche Ansätze mit der Personenfreizügigkeit und dem Bedarf vieler Branchen an kurzfristig verfügbaren Arbeitskräften vereinbaren?
Prof. Dr. Tobias Straumann ordnet das Abstimmungsergebnis ein und zeigt anhand internationaler Modelle auf, welche Steuerungsinstrumente für die Schweiz infrage kommen könnten, ohne die Personenfreizügigkeit infrage zu stellen. Anschliessend diskutieren wir auch mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft auf dem Podium, welche Handlungsfelder Priorität verdienen, welche Instrumente wirtschaftlich und rechtlich tragfähig sind, wie ein moderates Wachstum auf Akzeptanz stossen und wie eine breit abgestützte Zuwanderungspolitik ausgestaltet werden kann.